Der Ice-Effekt in E-Liquids: Die Wissenschaft hinter dem Frischegefühl

Sie haben beim Dampfen eines „Ice“-E-Liquids wahrscheinlich schon einmal diesen kleinen Kälteschub verspürt – selbst wenn das Liquid kein Menthol enthält. Das ist weder Zufall noch Magie, sondern die gezielte Nutzung eines in der Wissenschaft gut bekannten sensorischen Mechanismus, der seinen Entdeckern sogar den Nobelpreis eingebracht hat.

Ein Rezeptor, keine chemische Reaktion

Unser Körper verfügt über einen wichtigen Kältesensor: den TRPM8-Rezeptor. Dieser Ionenkanal wurde 2002 unabhängig voneinander von den Teams um David Julius und Ardem Patapoutian identifiziert. Die beiden Forscher erhielten 2021 gemeinsam den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin für ihre Entdeckungen zu Temperatur- und Berührungsrezeptoren. Die Auszeichnung bezog sich insbesondere auf ihre Arbeiten zu den molekularen Mechanismen der Wärme-, Kälte- und Mechanosensation.

Besonders interessant ist, dass dieser Rezeptor auf zwei unterschiedliche Arten aktiviert werden kann: entweder durch einen tatsächlichen Temperaturabfall oder durch bestimmte Moleküle, die den Rezeptor direkt stimulieren, ohne dass sich das Gewebe tatsächlich abkühlt. Das Gehirn empfängt dann dasselbe Signal, als wäre es wirklich kälter geworden. Genau dieser zweite Mechanismus erklärt das Ice-Gefühl in E-Liquids.

Menthol: der klassische Aktivator des TRPM8-Rezeptors

Menthol ist das bekannteste Molekül für diese „chemische“ Aktivierung des Kältegefühls. Aufgrund dieser Eigenschaft wird es seit Langem in ganz unterschiedlichen Bereichen eingesetzt – von Süßwaren bis hin zur Mundhygiene.

Menthol weist jedoch eine Eigenschaft auf, die seine Verwendung in bestimmten Formulierungen einschränken kann: Es bringt stets seinen charakteristischen Mentholgeschmack mit, der mit anderen Aromen konkurrieren oder sich mit ihnen überschneiden kann.

WS-23: Frische ohne Minzgeschmack

Um diese Einschränkung zu umgehen, wurden synthetische Moleküle wie WS-23 entwickelt. Wie Menthol aktiviert auch WS-23 den TRPM8-Rezeptor. Es stimuliert die kälteempfindlichen Rezeptoren in Mund und Rachen und erzeugt dadurch ein Frischegefühl, das mit dem von Menthol vergleichbar ist.

Der entscheidende Unterschied: WS-23 erzeugt dieses Gefühl ohne den typischen Mentholgeschmack. Dadurch lässt es sich frei mit unterschiedlichsten Aromaprofilen kombinieren – ob fruchtig, süß oder säuerlich –, ohne dass sich die Geschmacksrichtungen gegenseitig beeinträchtigen.

WS-23 ist ein synthetischer Kühlstoff, der ein Kältegefühl mit nur einer kaum wahrnehmbaren mentholartigen Note erzeugt. Wie Menthol kann es den TRPM8-Rezeptor aktivieren, der an der Kältewahrnehmung beteiligt ist, ohne die tatsächliche Temperatur des Gewebes unbedingt zu senken.

Diese sensorische Eigenschaft erlaubt jedoch keinen Rückschluss auf die Unbedenklichkeit beim Inhalieren. Die Daten zu den Auswirkungen auf die Lunge und zu den langfristigen Folgen synthetischer Kühlstoffe in E-Liquids sind weiterhin begrenzt. Gesundheitsbehörden weisen darauf hin, dass die Inhalationsexposition gesondert bewertet werden muss und dass die regelmässige Verwendung stark dosierter Produkte ein Risiko darstellen kann.

WS-23 und WS-3 werden der Kategorie der Zusatzstoffe zugeordnet. Diese Kategorie umfasst allgemein alle Substanzen, die einem Produkt hinzugefügt werden, um ihm eine bestimmte Eigenschaft zu verleihen – in diesem Fall ein Frischegefühl –, ohne Bestandteil seiner Grundzusammensetzung zu sein.

Damit haben sie denselben Status wie viele andere Inhaltsstoffe, die häufig in Lebensmitteln oder Mundhygieneprodukten verwendet werden, um dieselbe sensorische Wirkung zu erzielen.

Eine Molekülfamilie, die auch in anderen Produkten vorkommt

Kühlstoffe dieser Art sind nicht ausschliesslich in der Welt des Dampfens zu finden. Seit Langem werden sie auch in alltäglichen Produkten wie Zahnpasten und anderen Mundhygieneartikeln eingesetzt. Dort erfüllen sie genau dieselbe Funktion: Sie sorgen für ein klares, deutlich wahrnehmbares Frischegefühl, ohne zwingend auf herkömmliches Menthol zurückzugreifen.

Ihre Verwendung in E-Liquids steht somit in der Kontinuität einer bereits in anderen Branchen weit verbreiteten Anwendung mit derselben sensorischen Funktion.

Warum dieses Gefühl bei E-Liquids beliebt ist

Neben dem rein technischen Aspekt liegt der Vorteil von WS-23 bei der Entwicklung von E-Liquids auch in seiner Vielseitigkeit. Da es keinen ausgeprägten Mentholgeschmack besitzt, kann es einer grossen Auswahl an Aromen hinzugefügt werden, um ihnen eine erfrischende Note zu verleihen, ohne mit dem Hauptaroma des Rezepts zu konkurrieren.

Diese Flexibilität erklärt die grosse Vielfalt an „Ice“-E-Liquids, die heute auf dem Markt erhältlich sind: von gefrorenen Fruchtaromen über erfrischte Desserts bis hin zu neu interpretierten klassischen Mentholvarianten.

Ein Mechanismus, der weiter erforscht wird

Die Funktionsweise des TRPM8-Rezeptors und die Verwendung von Kühlstoffen wie WS-23 sind Gegenstand veröffentlichter wissenschaftlicher Untersuchungen. Dazu gehören auch akademische Arbeiten, die sich damit befassen, wie Nutzer diese erfrischenden Aromaprofile im Vergleich zu klassischen Mentholformulierungen wahrnehmen und bewerten.

Dies zeigt, dass es sich um ein Forschungsgebiet handelt, in dem das wissenschaftliche Verständnis kontinuierlich wächst – weit über den Bereich des Dampfens hinaus. Der TRPM8-Rezeptor ist auch für die allgemeine Erforschung der sensorischen Wahrnehmung von Interesse, unter anderem in der Physiologie und den Ernährungswissenschaften.

Zusammenfassung

Der Ice-Effekt ist kein mysteriöser Trick, sondern beruht auf der gezielten Nutzung eines natürlichen sensorischen Mechanismus unseres Körpers: des TRPM8-Rezeptors.

Derselbe Rezeptor, der uns die Kälte eines Winterabends spüren lässt, kann durch bestimmte Moleküle wie Menthol oder – neuerdings – WS-23 aktiviert werden. WS-23 bietet den Vorteil, eine intensive und vielseitige Frische zu erzeugen, ohne einen eigenen starken Geschmack aufzudrängen. Dadurch eröffnet es zahlreiche Möglichkeiten für unterschiedliche gefrorene Aromaprofile.

Wenn Sie beim Dampfen das nächste Mal diesen erfrischenden Hauch verspüren, wissen Sie, dass Ihr eigenes Nervensystem dabei die Hauptrolle spielt – auf der Grundlage eines heute gut dokumentierten wissenschaftlichen Mechanismus.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Das Sweetch-Team